Montag, 26. Mai 2014

Zu Besuch | MyParfum Atelier Berlin


Wir lieben Düfte. Ob Kaffee, ein warmer Sommerregen, frischer Basilikum, ein druckfrisches Buch oder salzige Meeresluft. Obwohl sich der moderne Mensch in Sachen Riechsinn im Vergleich zu seinen Vorfahren erwiesenermaßen stark zurückentwickelt hat, sind es die Gerüche des Alltags, durch die wir einen Großteil unserer Lebenssituationen in Erinnerung halten. Denn Gerüche werden im limbischen System des Gehirns verarbeitet, genau da, wo auch Erinnerungen gespeichert werden. Wer kennt es nicht: Bestimmte Gerüche aus der Kindheit, die einen in Erinnerungen schwelgen und träumen lassen.


Heutzutage hat man zum Glück die Möglichkeit, die Individualität der Persönlichkeit durch einen ganz eigenen Duft zu unterstreichen. Männlich-herb, frühlingsfrisch-feminin, klassisch elegant oder sportlich und dynamisch, nahezu jeder Charaktereigenschaft kann ein entsprechendes Attribut zugeordnet werden. Aus der Kombination der passenden Duftnoten ergibt sich schließlich in Form eines passenden Parfums das ideale Werkzeug zur Spiegelung der eigenen Person. Dass Menschen neben dem Äußeren (zumindest unterbewusst) auch den Duft eines anderen bewerten, ist erwiesen. Nicht umsonst heißt es ja, man kann jemanden "nicht riechen".

Ich für meinen Teil lege viel Wert auf einen "guten Geruch", also angenehme Parfums. Doch jeder Duft in den Parfümerien und Drogerien wird mit Sicherheit auch von irgendjemand anderem ebenfalls verwendet, was also tun, wenn man das gewisse Extra an Individualität sucht. Das Berliner Unternehmen MyParfum stellte sich dieselbe Frage und kam zu dem Schluss: Einfach selber machen! Aus diesem Grund bietet MyParfum die Möglichkeit, aus unzähligen Bestandteilen einen ganz eigenen, individuellen und einzigartigen Duft zu kreieren, den vermutlich sonst niemand hat. Am gestrigen Samstag durften wir MyParfum in der Reinhardtstraße in Mitte besuchen und in die Welt der Aromen eintauchen.



Eines vorweg: MyParfum ist ein Unternehmen, das sich hauptsächlich über seine Website und den dortigen Parfum-Konfigurator einen enormen Bekanntheitsgrad verschaffen konnte. Wir selbst kennen die Website schon länger, trauten uns bislang aber noch nicht so recht an die Materie heran, da wir es für zu "gefährlich" hielten, auf gut Glück loszumischen. Allerdings: Ob man nun für sich oder als Geschenk den perfekten Duft selbst anmischt oder die Profis anhand einer Angabe von Vorlieben einfach mal machen lässt, die Ergebnisse sind scheinbar immer super. Denn bei etwa 90.000 Online-Kunden und ebenso vielen einmaligen Kreationen ist die Retoure-Frequenz trotzdem verschwindend gering. Und selbst wenn ein Duft einmal so gar nicht zusagt, so kann er ganz leicht zurückgesandt und gegen einen neuen getauscht werden.

Wir entschlossen uns jedenfalls, ganz altmodisch den Offline-Weg zu gehen. Auf die Einladung von Unternehmensgründer Matti Niebelschütz trafen wir uns im MyParfum Atelier mit dessen Leiterin und PR-Managerin Kathy. Bei einer Tasse Kaffee sprachen wir über die Idee hinter MyParfum, Kindheitserinnerungen, die Bedeutung von Düften im Alltag und vieles mehr. Da wir uns auf Anhieb sehr gut mit Kathi verstanden, war es eine ausgesprochen angenehme Atmosphäre.



Von ihr erfuhren wir viel über das Parfümeur-Handwerk, das übrigens ausschließlich in Frankreich gelehrt wird, die Unterschiede zwischen einem Eau de Toilette und einem richtigen Parum sowie zahlreiche wissenswerte Fakten und Kuriositäten, welche die tägliche Arbeit mit Duftstoffen mit sich bringt.
Und dann kam der beste Teil: MyParfum-Gründer Matti hatte uns bei seiner Einladung angeboten, in jeweils einem 50ml-Flakon unser Wunsch-Parfum zusammenzustellen. Und das ließen wir uns nicht zwei Mal sagen.

Wie Kinder vor dem Weihnachtsbaum waren wir total glücklich über diese Möglichkeit, und sogleich schnüffelten wir uns durch die etwa 50 verschiedenen Duftnoten, um zu einer unseren Charakteren am ehesten entsprechenden Basis die idealen Herz- und Kopfnoten zu addieren. Dass so etwas alles andere als leicht ist, merkten wir spätestens dann, als wir uns unter all den Düften auf bis zu sechs Komponenten und deren Mischverhältnisse zueinander festlegen mussten. Aber es hat unendlich viel Spaß gemacht herumzuprobieren, hin und wieder "eine Nase" Kaffeebohnen zu nehmen, um vorhandene Gerüche in der Nase zu neutralisieren, und am Ende ein erstaunlich wohlriechendes Ergebnis zu erhalten. Erstaunt waren wir vor allem, weil wir davon ausgegangen waren, dass sich ein Parfum nicht so intuitiv "aus dem Bauch heraus" erstellen lässt. Die genauen Zusammensetzungen der Düfte werden anschließend auf einer Karte und im Computer festgehalten, um ein Nachbestellen zu erleichtern. Perfekt.
Hier könnt Ihr Euch unsere Zusammenstellungen ansehen und hier die dazu gewählten Flakons.

Wer nach so viel Beratung und Spielspaß beim Mischen noch nicht genug hat, kann zusätzlich noch an einem der Workshops teilnehmen, die regelmäßig im Atelier angeboten werden. Werden überlegen auf jeden Fall, irgendwann an einem solchen Workshop teilzunehmen. Mit vielen Eindrücken und Ideen für künftige Kompositionen verließen wir dann das Atelier und freuen uns jetzt schon auf das nächste Mal.

Übrigens steht für MyParfum bereits ein neues Projekt in den Startlöchern: Die MyParfum-Duftbar. Diese mobilen Stände in bekannten Parfümerie-Filialen ermöglichen es, vor Ort schnell und unkompliziert eigene Düfte zu kreieren. Via Comparisto kann man ab einem Beitrag von 5€ an der künftigen Entwicklung von MyParfum teilhaben.

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