Freitag, 2. Mai 2014

Oslo | Kaffee und Black Metal - Kulturexport nach unserem Geschmack.

Die wie in den meisten Hotels, so auch im Park Inn gängige Praxis des Check-Out-Zwangs bis zur Mittagszeit hatte für uns, in Kombination mit dem angesetzten Rückflugtermin um 19.15 Uhr Komplikationspotenzial. Denn einerseits hatten wir den Rückflug absichtlich auf den frühen Abend gelegt, um den Sonntag in Oslo noch nutzen zu können. Andererseits jedoch war die Zeitspanne so erheblich und die Temperatur draußen so hochsommerlich, dass wir uns die Kräfte gut einteilen mussten.

Brune gullet - Das braune Gold

Erst einmal das nervige Gepäck am Bahnhof in ein Schließfach gepackt, fuhren wir anschließend mit der Straßenbahn nach Grünerløkka in Oslos Norden. Die Straßen dieses Szenestadtteils, wie ihn der Spiegel schon nannte, erinnern in Ansätzen an den leicht heruntergekommenen Charme Berlin-Friedrichshains. Unser direktes Ziel war Tim Wendelboe, eine Kaffeerösterei, Espressobar und generelles Kompetenzzentrum in allen Belangen rund um Kaffee. In Berlin ist das Finden und Testen immer neuer, kleiner und hochkarätiger Cafés eines unserer Hobbies, daher war der Besuch bei Tim obligatorisch. Nach einem netten Plausch mit Kristian, dem Barista, stellte sich heraus, dass er genau wie wir großer Fan der Berliner Rösterei The Barn ist. Kaffee verbindet!

Oslo Reisebericht

Anschließend schlenderten wir wieder einmal durch die Straßen und Gassen, die Sonne brannte und es waren auffallend viele Träger der Bunad, der traditionellen norwegischen Tracht, unterwegs. Vielleicht war es eine Hochzeitsgesellschaft, vielleicht haben wir auch nur zufällig einen Nationalfeiertag miterlebt.

Auf unserem Fußweg durch die Straßen landeten wir mehr oder weniger plötzlich im Hochhaus-Viertel, nahe dem Hauptbahnhof. Hier scheint sich Oslo als Stadt auf mehreren Ebenen abzuspielen: Tiefgaragentore, die wie schwarze Löcher hier und dort Autos verschlucken. Straßen und Gehwege, die sich wie Schlagen aus Stahl und Beton winden und auf die nur gelegentlich durch die Häuserschluchten einige Sonnenstrahlen gelangen. Fußgängerbrücken, die über die Straßen hinweg ragen und von unten unerreichbar erscheinen. Dieses abstrakt-futuristisch anmutende Stadt-Design ist dabei zu großen Teilen nur eines: trist. So bunt das Zentrum und Bezirke wie Grünerløkka sind, so grau und deprimierend war dieser Teil der Stadt.


In der Schweigaards Gate, südlich des Grønlandspark, fanden wir nach einigen Minuten zu Fuß in einer unscheinbaren Altbaufassade ein Stück Musikgeschichte: In den 80er Jahren war das Gebäude mit der Hausnummer 59 Heimat des unter Black-Metal-Fans legendären "Helvete"-Plattenladens. Von hier aus verbreitete sich der unheilige Kult, von vielen als Norwegens größter Kulturexport bezeichnet, über die ganze Welt und beeinflusst bis heute unzählige Musiker und Künstler. Nach der Schließung und einigen Jahren der Nutzung durch andere Unternehmen eröffnete das ehrwürdige Etablissement im Jahr 2003 neu, und zwar unter dem Namen "Neseblod Records" ("Nasenbluten Records"). Dort finden sich allerhand bizarre Unikate und Sammlerstücke. Daneben gibt es dort im Keller ein Black-Metal-Museum, welches die "guten alten Tage" des wohl finstersten Musikgenre in allen Ehren hält.


Farvel - Abschied

Traurig und frohen Mutes zugleich machten wir uns gegen 16 Uhr auf den Weg zum Flughafen. Traurig, weil die Zeit in Oslo sehr kurz war, froh, weil es - und da hatten alle Omas Recht - zu Hause einfach immer am schönsten ist.
Nach einer beunruhigend vertrauensseligen Sicherheitskontrolle, einem Abstecher im Duty-Free-Bereich und jeder Menge Kaffee war es auch schon fast soweit. Air Berlin Flug AB8243 startete pünktlich und brachte uns nach Hause, oder besser gesagt, erst mal nach Berlin. Denn wirklich zu Hause kamen wir wegen des auch sonntagabends tückischen Berliner Verkehrs erst um 22.30 Uhr an, begrüßt von zwei mehr als hungrigen Katzen.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass wir durchweg begeistert von Oslo sind, jedoch in der näheren Zukunft unbedingt noch weitere Orte in Norwegen besuchen möchten, so zum Beispiel Bergen und Trondheim. Sei es ein Hotelaufenthalt, Camping in der Wildnis oder ein ausgiebiger Roadtrip, zu gerne möchten wir dieses wunderbare Land noch weiter entdecken. An dieser Stelle möchten wir auch noch einmal Visitoslo.com für die Unterstützung auf dieser Reise danken. In diesem Sinne: Farvel og se deg snart, auf Wiedersehen und bis bald!

1 Kommentar:

  1. Ich selbst war noch nicht in Oslo, doch dein Erfahrungsbericht zeigt, dass es eine Stadt ist, die es wert ist, dass man sie sich anschaut!
    :) Bei dem Kaffee-Bild hab ich direkt Lust auf Kaffee bekommen und mir fix einen gemacht ;-)

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