Donnerstag, 3. April 2014

On Stage | Architects, Stray From The Path, Northlane, More Than Life

Neunzehn Uhr an einem ganz normalen, kühlen Frühlingstag in Berlin. Vor dem Tempelhofer Columbia-Club tummelt sich eine grössere Menge schwarz gekleideter Personen, auffällig oft sieht man mit dem markanten ‘A’ der heutigen Headlinerband bedruckte Shirts. Schon jetzt erkennen diejenigen, die 2012 beim letzten Architects-Auftritt im Kreuzberger Magnet Club dabei waren, dieses Konzert wird um einige Nummern größer. Größer ist nicht nur die schiere Anzahl an Fans, sondern natürlich auch die Location selbst, vis-à-vis zum Gelände des imposanten ehemaligen Flughafens Tempelhof.
Es sollte ein Abend der etwas härteren Gangart werden, hatten die Briten doch die amerikanische Rapcore-Band Stray From The Path, die australischen Djent-Durchstarter Northlane und die Inselkollegen More Than Life mit an Bord.
Letztere eröffneten das Programm pünktlich zur Tagesschau und versammelten bereits eine gute Menge an Zuschauern. More Than Life sind natürlich alles andere als unbekannt, doch die Energie des Sängers schwappte nur vereinzelt auf das Publikum über. Wie das beim ersten Slot eben so ist. Nach einem gut halbstündigen Gig räumten die vier Jungs das Spielfeld und überließen es den Tech-Profis von Northlane.
Deren aktuelles Album “Singularity” schlug schon 2013 dermaßen hart ein, dass man sich die Chance auf einen Auftritt der Gold-Coast-Surfer nicht entgehen lassen sollte. Sympathisch führte Shouter Adrian das mittlerweile deutlich angewachsene Publikum durch die Performance. Die Band brachte Songs der letzten beiden Alben, die mit unfassbar tief gestimmten Gitarren und gelegentlichem Sub-Bass “so richtig in die Fresse” knallten, um einen Gast zu zitieren. Erstaunlich: trotz der nicht immer ganz Mainstream-kompatiblen, weil stellenweise einfach aufgrund ihrer Komplexität nicht moshbaren, Mathcore- und Prog-Parts tanzte sich die Menge in Stimmung. Hier und da flogen auch schon mal Haare oder gleich ganze Menschen durch die Luft. Insgesamt kam die Band sehr gut an, was auch an der ausgewogenen Mischung aus melancholischen Melodien und brachialer Härte gelegen haben mag, die einfach zu überzeugen weiß.
Stray From The Path nahmen mit ihrem eigenwilligen Sound ohnehin eine gesonderte Stellung im Lineup ein. Sie zogen es vor, die Bühne innerhalb von zwei Titeln mit überschüssiger Speichelflüssigkeit in einen See zu verwandeln, statt auf die einwandfreie Performance zu achten, was jedoch mit gelegentlichen Gitarren-Ausfällen oder dem Griff des Sängers zum falschen, ausgeschalteten Mikro eine unterhaltsame Komponente hatte. Der gefühlt alle zwei Minuten eingesetzte Sub-Bass nervte irgendwann auch nur noch. Songs wie „Damien“ oder „Negative And Violent“ machten jedenfalls Stimmung und das Publikum fand’s super.
Nach einer relativ langen Umbaupause, die mit Musik von Snoop Dogg, Kool & The Gang und Jay-Z überbrückt wurde, kam die Menschenmenge kurz zur Ruhe um sodann in explosionsartige Begrüßung der Architects zu verfallen. Die Band betrat die Bühne und eröffnete ihren Auftritt – wenig überraschend – mit dem neuen „Gravedigger“. Es folgte eine Mischung aus Titeln der letzten drei Alben, lediglich die beiden ewigen Publikums-Lieblinge und „Hollow Crown“-Hits „Early Graves“ und „Follow The Water“ waren einsame Zeugen der „alten Sachen“. Letzteres kündigte Frontmann Sam Carter am Übergang in die zweite Hälfte des Sets übrigens indirekt durch eine kurze Dankesrede an, die sich an die Ozean-Retter Sea Shepherd richtete. Es sei ein wichtiger Tag, „denn heute ist der Walfang, auch der zu sogenannten „wissenschaftlichen Zwecken“, offiziell verboten worden“, so Carter. Politische Themen oder auch Kritik an fundamentalen Religionsgruppen liegen den Jungs aus Brighton schon lange am Herzen. Zuletzt hatte ihre Single „Broken Cross“ zu einiger Kritik seitens der Fans geführt, woraufhin sich Songwriter Tom Searle in einem Statement erklärte. All dies war jedoch an diesem Abend nicht wichtig, stattdessen konzentrierte sich die Band auf einen wirklich intensiven und erstklassigen Gig, der um halb zwölf mit „These Colours Don’t Run“ sein viel zu frühes Ende fand. Und wenn die Karriere der Band so weiter geht, muss wohl für die nächste Tour doch mit der Columbia-Halle die benachbarte und doppelt so große Schwester des C-Clubs herhalten.

Am gleichen Abend habe ich übrigens noch den Architects-Frontmann Sam für ein Interview getroffen. Das ganze kann man hier nachlesen!

Diesmal haben wir leider nur ein paar Instagram-Photos (1. Reihe: Northlane, 2. Reihe: Architects) mitgebracht:


Den Artikel findet Ihr übrigens auch auf Stageload.org!

Kommentare:

  1. sehr guter bericht, ich bin morgen wieder in wien dabei und freue mich schon, allerdings finde ich es schade, dass sie wohl fast ausschließlich neue songs spielen werden, ein paar mehr klassiker wären sicher auch nicht schlecht!

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    1. Hi, danke für das Lob! Sie spielen in der Tat wenige alte Songs, in meinem Interview mit Sam (siehe Link unter dem Bericht) hat er mir aber immerhin erzählt, dass ein paar alte Sachen immer ihren Platz im Set haben werden. Trotzdem wären mehr Klassiker schön, das ist absolut wahr.

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  2. toll geschrieben! hat schon spaß gemacht, es nur zu lesen.

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