Sonntag, 6. Januar 2013

#foodporn #healthy #lookatme

Ein Thema, das mir wahnsinnig am Herzen liegt. Ein Thema, das mich nicht erst seit einigen Wochen beschäftigt, man aber vor allem momentan immer häufiger beobachten kann. Ein Problem, mit dem ich mich schon seit Jahren aufhalte, das mein Leben beherrscht wie kein zweites. Und ich spreche hierbei keine konkrete Krankheit an, distanziere mich sogar ausdrücklich davon; ich möchte über keine persönliche Empfindung urteilen oder gewisse Verhaltensweisen kritisieren und ich möchte auch sicher nicht sagen, dass nicht jede dieser Aktionen, Reaktionen und Verhaltensmuster einen tieferen, früheren Hintergrund hat, der vielleicht nur mit möglichst viel Hilfe, Beistand und Rückhalt behandelt werden kann; ich möchte lediglich meine Gedanken zu diesem Thema ordnen und hören, wie Ihr das Ganze seht, was Eure Meinung dazu ist und wissen, ob und warum Ihr Euch vielleicht auch in eine dieser Sparten einordnen würdet.
Warum also liegt vielen Menschen, überwiegend wohl Frauen und Mädchen, nur so viel daran, dass ihr Essverhalten nach außen hin ganz besonders wirkt? Facebook, Twitter, Instagram - immer und immer wieder findet man Bilder von Essen, man liest Rezepte und Anleitungen zu einem perfekten Dinner oder einem Erdnussbutter-Sandwich. Das Internet ist voll von Food-Blogs, "Foodporn"-Bildern und Diät-Tipps. Die einen möchten einem gesunde Ernährung mit möglichst günstigen Mitteln näherbringen, die anderen möchten zeigen, dass in ihrer Welt kein Platz für kulinarische Leidenschaft bleibt, denn alles woran zu denken ist, ist der sinkende Zeiger auf der Waage, wiederum andere möchten die Welt bekehren, indem sie ein kurzfristiges Hoch in Form von Diät-Erfolgen weiterempfehlen.

"Nach außen hin soll es bitte so aussehen, als ernähre ich mich lediglich von Wasser, Gurken und Himbeeren."
Warum ist es für viele so wichtig, was andere über ihre Essgewohnheiten denken? Wieso geben sich Leute so viel Mühe, um sich in der Öffentlichkeit anders darzustellen, als sie tatsächlich sind? Natürlich tun sie das in der Regel nicht nur im Bereich des Essens - oftmals fängt es mit der anderweitigen Selbstdarstellung an - in Wort und Bild. Das Internet wird oft dazu benutzt, sich eine zweite Identität anzueignen, aber wieso erachtet man die eigene Ernährung als wichtig und vor allem interessant genug, diese als Einstieg dafür zu nehmen? Was genau bringt es einem, den ausschließlich obst- und gemüsehaltigen Einkaufswagen zu photographieren und zur Schau zu stellen, wenn der gesamte Inhalt in der eigenen Küche später ohnehin frittiert wird oder aber sämtliche "Sünden" wie Pasta, Schokoriegel, Marmelade, mariniertes Fleisch, Butter, Weißbrot und Chips für dieses eine Photo in einem gesonderten Einkaufswagen zwischengelagert werden mussten?

"Ich esse so gut wie gar nichts mehr, möchte möglichst dünn sein, denn das verlangt die Gesellschaft."
Das vielleicht größte Problem. In Magazinen und Zeitungen, auf Blogs und bei Tumblr, in Umkleidekabinen und der U-Bahn - überall können wir es sehen: unser Feindbild, das allgemeingültige Schönheitsideal. Wir vergleichen uns unbewusst immerzu mit den anderen, sehen andere Menschen grundsätzlich in einem anderen Licht, verstecken uns, sobald wir uns eingestehen können, dass diese andere Frau eindeutig alle Kritikpunkte, die wir an uns selbst feststellen, eben nicht vorweisen kann. Die Tatsache, dass man nur als "hübsch" und "annehmbar" wahrgenommen werden kann, existiert nur in den Köpfen derer, die ihre Zeit damit verbringen, eigene Fehler zu finden und Probleme zu enwickeln. Viele sind dem Druck der Gesellschaft ganz einfach nicht gewachsen und können kaum noch zwischen den eigenen und den Erwartungen anderer unterscheiden. Wir denken, dass wir uns etwas Gutes tun, wenn wir uns im Verzicht üben und sind stolz darauf, dass wir uns so gut halten können. Aber wenn man sich selbst im Verzicht ermuntern muss, zeugt es dann noch von beneidenswerter Lebensqualität?

Essen ist Heimat, Essen ist Leben, Essen ist Kunst und Leidenschaft. Ansichten und Denkweisen, die nur noch von wenigen Menschen vertreten werden, denn mittlerweile ist das Essen nur noch selten ein Genuss, sondern vorrangig ein notwendiges Accessoire, das man mich sich herum trägt um es anderen zu zeigen. Es gibt keine "wirkungsvollste Diät" oder eine "radikale Nahrungsumstellung", die wahre Wunder bewirkt. Es geht um den Ausgleich. Und dieser findet nicht nur im Bereich des Essens statt - es dreht sich um Ausgewogenheit und körperliche Betätigung. Man kann essen und genießen, so viel man möchte, wenn man dem Körper und dem Geist die nötige Bestätigung gibt und diese Faktoren sein lässt, was sie sind - personenabhängig. "Sich selbst lieben" heißt die Devise. Niemand sollte seinem Körper vorgeben, wie er zu funktionieren hat und welche Bedürfnisse er zu entwickeln hat. Schafft man es nicht, sich alles natürlich entwickeln zu lassen, hat man vielleicht doch ein wesentlich gravierendes Problem. Selbstverständlich ist das alles nichts Allgemeingültiges. Es ist viel mehr eine übergreifende Regel für viele der Betroffenen, denn sicherlich gibt es auch genügend andere Beispiele, die ihren Weg gefunden haben und damit glücklich werden - das ist beneidenswert und wunderbar. Ich ziehe vor all diesen Menschen den Hut. Vor den Menschen, die sie selbst sein und damit glücklich werden können.
Dabei wird häufig vergessen, dass es Menschen gibt, die alles erdenkliche dafür tun, um so auszusehen, wie sie es gerne würden, das Ganze aber absolut nicht in der Hand haben. Es gibt Krankheiten, die das Leben und die Denkweise der Menschen komplett beeinflussen können. Krankheiten die die Schilddrüse betreffen, den Blutzuckerspiegel oder ganz einfach die Psyche. Es gibt viele echte Gründe, warum Menschen ihr "Traumgewicht" nicht erreichen können und es gibt wiederum die Art von Mensch, die diese Krankheiten nicht ernst nehmen und mit ihren kritischen Worten, mit ihrem rechthaberischen Argumenten den Betroffenen das Leben noch schwerer machen, als es ohnehin schon ist. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viele Leute oftmals die Meinung vertreten, dass man sich hinter Krankheiten versteckt. Sicher gibt es auch Leute, die es sich leicht machen und erfundene Befunde in den Vordergrund schieben, damit ihnen niemand einen wirklichen Strick aus ihrem Verhalten oder Aussehen drehen kann und das ist traurig, aber in diesen Fällen liegt die offensichtliche "Krankheit" wohl an einer anderen Stelle.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Art von Themen hier anschneiden soll. Ich habe den Blog nicht ganz unbewusst möglichst oberflächlich und dennoch sehr persönlich aufgezogen. Ich blogge nun schon seit ich vierzehn bin auf verschiedenen Plattformen und ich weiß genau, mit welchen gegensätzlichen Meinungen, Fragen und Aggressionen man klar kommen muss, wenn man die eigene Meinung publik macht. Um dem Ganzen aus dem Weg zu gehen, habe ich es mir größtenteils abgewöhnt, meine konkrete und teilweise vielleicht sogar ziemlich radikale Meinung auf diesem doch eher unwichtigen persönlichen Medium preiszugeben. Ich bin niemand, der anderen gerne nach dem Mund redet oder sich eine Sichtweise aneignet, die auf möglichst wenig Kritik stößt, nur damit man sich nicht damit auseinandersetzen muss, dass das, was man denkt auch wirklich richtig beim Gegenüber ankommt. Aber wie gesagt, es liegt mir ganz einfach am Herzen, diese Problematik wenigstens einmal kurz hier anzuschneiden.

Kommentare:

  1. 1. Ich mag deinen Text, schiebe das Thema auch schon lange vor mich hin.
    2. Ich habe mich schon immer etwas schizophren verhalten, ich möchte gern schlank bleiben und stehe trotzdem sehr auf Süßes und auf Fast Food (bisher funktionierts dank Veranlagung und der richtigen Menge). Deswegen hasse ich es, wenn Leute a) alles kritisieren, was ich so oft in mich reinstopfe (das weiß ich selbst, Essen soll Spaß machen und macht Spaß, wenn man nicht nur Zwieback isst) und b) ständig davon reden, wie wenig sie essen und am besten noch in meiner Gelegenheit gar nichts zu sich nehmen, sodass ich mir vorkomme wie der größte Vielfraß.
    Kurzum, dieses öffentliche Ausleben von "ich nehme immer weiter ab, obwohl ich gar nicht(mehr) dick bin" kotzt mich sehr an. Dich wohl auch und damit wären wir wieder bei Punkt 1 hihi.

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  2. danke für dein statement! für mich ist es auch erschreckend zu sehen wie das gesellschaftliche mager-schönheitsideal immer weiter durch (tumblr)blogs gepusht wird ...

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  3. Ich kann dem eigentlich nur zustimmen. Obwohl wir seit Oscar mitisst doch bewusster essen und viel 'organic', 'free range' und 'fairtrade' kaufen, geht es trotz allem um den Genuss! Ich liebe Essen.
    Und dieses ganze weniger essen um duenn zu werden nervt mich auch. Das ist ja -wenn es ueberhaupt klappt- eher der Jojo Effekt?! Es geh nunmal nicht ohne Sport! ;)

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  4. Ich stimme dir total zu, aber ich könnte das nicht so wie du schreiben. ;)

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  5. stimme dir zu.. schlimm wie teilweise auch dünne models als "dick" bezeichnet werden, nur weil sie weibliche kurven haben

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  6. interessanter und lesenswerter post!
    vor allem bei instagram ist mir aufgefallen wie häufig dort fotos von den verschiedensten salaten hochgeladen werden - hatte mich bis dahin schon immer gefragt was das soll und ob das das einzige ist was die betreffende person den ganzen tag über gegessen hat (das würde ich dann nämlich für äußerst bedenklich halten)
    dass das problem auch bei blogs so akut ist, war mir hingegen nicht bewusst - daher: gut, dass du dich traust das thema anzuschneiden!
    ich muss dir zustimmen, dass das momentan gültige schönheitsideal gerade für junge mädels echt gefährlich ist
    es spricht ja nichts dagegen auf gesunde ernährung und seinen körper zu achten, allerdings sollte das dann wirklich auch immer im richtigen maße bleiben.....
    lg tina
    ps: ich muss sagen, dass mir dein blog gut gefällt und werde dir daher via blog-connect folgen ;)

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  7. kann ich nur zustimmen

    xxx,Lena
    http://staytruetoyour.blogspot.com

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